Viel G’spür beim Festival: Bob Dylan & Rockopas auf Desert Trip.

Bob Dylan, Mick Jagger, Neil Young, Paul McCartney: Beim Desert Trip Festival in Kalifornien gaben sich die ganz Großen ein Rock-Revival. Ein Rückblick.
Sommerfestival Kalifornien

Er hat nun endlich seinen Nobel-Preis abgeholt. Und damit diese nervige Neverending-Tour beendet. Bob Dylan. Wen die Nostalgie quält und sich ein bisschen wie damals fühlen will, sollte sich nach Kalifornien aufmachen: von 7. bis 9. Oktober spielen in Indio beim Desert Trip alle Rockgrößen den 20. Jahrhunderts auf. Wirklich alle. Also: Vergiss Coachella. Das ist für Kinder.

Wenn die (Musik-)Welt für einen kurzen Moment andächtig verharrt, dann heißt das nicht zwangsläufig, dass jemand gestorben ist. In diesem Fall  verhält es sich eher andersrum, wie ein Phönix aus der Asche präsentiert sich das wohl heißeste Rockfestival seit Woodstock: Desert Trip heißt jenes ikonische Festival, das von 7. bis 9. Oktober in Indio, Kalifornien, über die Bühne gehen wird. Als Headline geben sich Bob Dylan und die Rolling Stones die Ehre, wobei es zu beobachten gilt, wer wem die Show stiehlt. Der junggebliebene Mick Jagger mit seinem agilen Hüftschwung? Oder aber der Arthritis geplagte Überpoet Bob Dylan, der seinen legendären Songs auf seiner Never Ending Tour seit den frühen 1960iger Jahren jedes Mal aufs Neue eine weitere,  nie da gewesene Tonlage hinzufügt. Ein bisschen wohl wie ein Schlagabtausch zwischen Platon und Dionysus, die ja beide ihre ureigene Berechtigung haben.

Rolling Stones Fan
Mehr ist besser – das gilt natürlich vor allem bei echtem Rock’n’Roll. Davon kann es nicht genug geben.

Als Schiedsrichter fungieren jedenfalls an Tag Zwei und Drei Paul McCartney, Neil Young, Rodger Waters und The Who. Letztere haben sich seit ihrem Durchstart als Teil der Mod-Bewegung am musikalisch härteren Ende der „British Invasion“ in den späten 60igern halbiert. Lediglich Sänger und Gitarrist werden als Mitglieder des wohl exklusivsten Rockopa-Clubs der Welt bei dem Mega-Event Desert Trip in die höchsten Reihen des Musikhimmels aufgenommen werden. Und Geschichte schreiben? Man munkelt His Bobness Bob Dylan hätte noch einiges zu sagen. Ob er das seinem Publikum oder aber Mr. Jagger und Mr. Richards im Backstage-Bereich bei einem Glas Bourbon kundtun wird, bleibt abzuwarten. Oder etwa bei Tee? Irrelevant, denn wer der Menschheit fast sechzig Jahre musikalisches Elysium geschenkt hat, darf auch mal Wasser trinken. Das hat Neil Young übrigens erst vor ein paar Jahren in die Tat umgesetzt. Wohl ein wenig im Sinne von „For them that think death’s honesty won’t fall upon them naturally, life sometimes must get lonely.“ Ach, Dylan.

 

Warum His Bobness Dylan auch gerne mal auf dem Tisch liegt…

Für alle, die es nicht Anfang Oktober nach Kalifornien schaffen, gibt es ein kleines Trostpflaster des Taschen Verlags. Der wohl ungewöhnlichste Bildband des Verlags der letzten Jahre – da der Protagonist im Vergleich zu den üblichen Fotomodellen der Bücherwelt von Taschen weder fotogen noch ansatzweise ansehnlich wäre. Dafür allerdings bekam Bob Dylan als erster Musiker überhaupt 2008 den Pullitzer-Preis verliehen. Und 2016 den Nobel-Preis für Literatur. Grund allemal His Bobness einen opulenten Bildband zu widmen und sich ein optisch ansprechendes Hintertürchen zu genehmigen.

Fotograf Stefan Kramer begleitete den jungen (und hübschen!) Dylan 1964 für ein Jahr und einen Tag auf many roads um die Antwort im Wind zu hören. Der Locken-köpfige Songwriter irgendwo aus Minnesota sollte nämlich im Laufe dieses Jahres das Country-Genre und die Rockmusik zugleich revolutionieren  – mit einer elektrischen Gitarre, deren Klang den Cowboy zum Hippie werden ließ. Festgehalten auf 140 Dylan-Fotos mit fotografisch ansprechenden Nebendarstellern wie Joan Baez, Johnny Cash, Allen Ginsberg und Albert Grossman.

Zu haben ist der knapp 300 Seiten starke Bildband mit kleiner Auflage für 500 Euro. Aber, um Dylan zu zitieren: Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt. Und sei es seinen Coffee in Zukunft auf dieses ausdrucksstarke Coffee table book abzustellen. Bob Dylan würde diese Dreistigkeit sicherlich gefallen. Taschen Verlag, 288 Seiten, 500 Euro.

Bob Dylan in jungen Jahren
The Story of Bob Dylan: Ein Jahr lang auf vielen Fotos festgehalten und nun als Bildband erhältlich.